Personal finden und halten in der Gastronomie

Juli 2026

Der Fachkräftemangel ist real, aber halb hausgemacht

Jeder Gastronom, mit dem ich rede, klagt über den Fachkräftemangel. Und ja, der Markt ist leer. Aber wenn ich mir viele Betriebe von innen ansehe, ist die Wahrheit unbequemer: Ein Teil des Problems ist hausgemacht. Schlechte Dienstpläne, kein Wort der Anerkennung, chaotische Einarbeitung, ein Chef, der nur schimpft, wenn etwas schiefläuft, und schweigt, wenn es läuft.

Ich betreibe selbst Läden, das Huginn Café und die Fischerhütte. Ich stehe nicht im Seminarraum und rede über Theorie. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn samstags um 18 Uhr jemand krank abspringt. Und ich weiß: Wer sein Team gut behandelt, hat dieses Problem seltener.

Finden: Wo Sie heute wirklich Leute erreichen

Die klassische Anzeige im Blatt bringt fast nichts mehr. Was funktioniert, ist eine Mischung. Und vor allem: Schnelligkeit. Wer sich drei Tage Zeit lässt, bis er auf eine Bewerbung antwortet, hat verloren. Gute Leute sind in einer Woche wieder weg.

Onboarding: Die ersten zwei Wochen entscheiden

Die meisten Kündigungen fallen in den ersten Wochen, nicht nach Jahren. Wer neu anfängt und ins kalte Wasser geworfen wird, ohne dass ihm jemand zeigt, wo die Gläser stehen und wie die Kasse läuft, der geht wieder. Nicht weil er schlecht ist, sondern weil er sich verloren fühlt.

Nehmen Sie sich für neue Leute Zeit. Ein fester Ansprechpartner, ein kurzer Ablaufplan für die erste Woche, ein klares Bild davon, was Sie erwarten. Das kostet nichts außer Aufmerksamkeit, und es entscheidet, ob jemand bleibt.

Halten: Der eigentliche Hebel

Neue Leute finden ist teuer und anstrengend. Deshalb ist Halten der eigentliche Hebel. Und hier liegt in den meisten Betrieben das größte Potenzial. Menschen bleiben nicht wegen fünfzig Cent mehr Stundenlohn, sie bleiben wegen des Gefühls, dass es hier fair zugeht und dass sie gesehen werden.

Verlässliche Dienstpläne sind dabei das Wichtigste, was oft unterschätzt wird. Wer seinen Plan erst Donnerstags für die nächste Woche bekommt, kann sein Leben nicht planen. Machen Sie Pläne früh, halten Sie sich an Wünsche, und tauschen Sie nicht ständig kurzfristig um. Verlässlichkeit ist eine Form von Respekt.

Dazu kommt Führung. Loben Sie, wenn es gut läuft, nicht nur meckern, wenn etwas schiefgeht. Nehmen Sie Kritik unter vier Augen, nie vor Gästen oder Kollegen. Und stehen Sie hinter Ihrem Team, wenn ein Gast mal unfair wird. Genau darum geht es bei echter Personalführung und Schulung: aus einem Haufen Einzelkämpfer eine Mannschaft zu machen.

Wertschätzung kostet oft nichts

Wertschätzung wird gern mit Geld verwechselt. Klar, faire Bezahlung muss stimmen, das ist die Basis. Aber das, was Menschen wirklich bindet, kostet oft keinen Cent. Ein ehrliches Danke nach einer harten Schicht. Nach dem Namen des Kindes fragen. Ein gemeinsames Essen nach einem starken Wochenende. Kleine Dinge, die zeigen: Ich sehe dich als Mensch, nicht nur als Arbeitskraft.

Ausbildung: Selbst großziehen, was der Markt nicht hergibt

Wenn der Markt keine Fachkräfte mehr hergibt, müssen Sie selbst welche ausbilden. Ja, das ist Aufwand, und ja, manche gehen wieder. Aber viele bleiben, gerade weil Sie ihnen etwas beigebracht und eine Chance gegeben haben. Ein junger Mensch, den Sie vom Aushilfsjob zur festen Kraft entwickeln, ist loyaler als jeder teuer abgeworbene Profi. Ausbildung ist kein Kostenfaktor, sie ist Ihre Personalabteilung von morgen.

Fazit: Behandeln Sie Personal wie Ihr wichtigstes Kapital

Am Ende ist es einfach, auch wenn es nicht leicht ist: Behandeln Sie Ihre Leute so, wie Sie selbst behandelt werden wollen. Faire Pläne, klare Führung, ehrliche Anerkennung, echte Chancen. Kein Betrieb läuft ohne ein gutes Team, und kein noch so schönes Konzept rettet einen Laden, in dem das Personal ständig wechselt.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass bei Ihnen die Fluktuation zu hoch ist oder Sie einfach keine Leute mehr finden, dann lassen Sie uns reden. In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihren Betrieb, ehrlich und ohne Beraterfloskeln. Oft sind es ein paar konkrete Stellschrauben, die den Unterschied machen. Ich kenne beide Seiten des Tresens, und genau da setzen wir an.

Buchcover: Letzte Runde – Bevor das Licht ausgeht, von Ingo Wadowski
Aus meinem Buch

Letzte Runde – Bevor das Licht ausgeht

Klartext Gastronomie · Buch 2 · Der Turnaround-Fahrplan aus über 20 Jahren Praxis

Wenn es finanziell eng wird, gehen die Guten zuerst – und mit ihnen der Betrieb. Im Buch steht, wie Sie in der Krise die Leute halten, auf die es ankommt, und wie Sie mit dem Team reden, ohne zu beschönigen.

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